GLOBAL 2000 testet Sportartikel: Jedes vierte Produkte enthält Giftstoffe

Aufgrund der langzeitig geschlossenen Fitness- und Sporteinrichtungen müssen viele Menschen nun daheim sporteln. Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 ließ nun beliebte Sportartikel für den Heimgebrauch auf Schadstoffe testen. Das Ergebnis ist mehr als bedenklich – etliche sind nicht fit für den Gebrauch. Wer sich demnach tatsächlich daheim gesund betätigen möchte, sollte einige Punkte beim Kauf von Sportartikeln beachten.

Unter der Leitung des Umweltbundesamtes Deutschland setzt sich GLOBAL 2000 gemeinsam mit 19 anderen Partnerorganisationen in 13 verschiedenen EU-Ländern dafür ein, das REACH-VerbraucherInnen-Recht bekannter zu machen. Der im Rahmen des EU-Projektes LIFE AskREACH durchgeführte Neujahrstest zeigte, dass viele Sport- und Freizeitartikel fortpflanzungsgefährdende Weichmacher und andere besorgniserregende Schadstoffe enthalten, die stark umwelt- und gesundheitsschädlich sind.

Wie können sich KonsumentInnen schützen?

Es ist eine traurige Tatsache, dass sich KonsumentInnen nicht darauf verlassen können, dass eigentlich gesundheitsfördernde Sportgeräte giftstofffrei sind. Die eigene Qualitätskontrolle spielt daher eine immer wichtige Rolle, die hoffentlich auch langfristig dazu führt, dass Unternehmern umdenken und nicht nur für das Wohl ihres Profits, sondern auch der KonsumentInnen handeln.

Was beim Kauf zu beachten gilt:

• Wenn möglich, solten Sie Alternativen zum Kunststoff-Artikel aus anderen, verträglicheren Materialien verwenden.
• Allzu billige Kunststoff-Artikel – insbesondere aus Weich-PVC oder dunklem Hartplastik – sollten Sie vermeiden.
• Achten Sie auf den Geruch des Artikels. Wenn der Gegenstand stark und undefinierbar, quasi „chemisch“ riecht – nicht kaufen.
• Achten Sie auf Umweltzeichen, beispielsweise das Österreichische Umweltzeichen, das EU-Eco-Label oder den Blauen Engel.
• Im Rahmen des LIFE AskREACH-Projekts wurde die Smartphone-App „Scan4Chem“ entwickelt, mit der KonsumentInnen die Barcodes von Produkten scannen können, um zu erfahren, ob SVHCs enthalten sind. Die Scan4Chem-App kann in den App-Stores kostenlos herunterladen werden. Verwenden Sie die App beim Einkauf von neuen Produkten.

Die Testergebnisse im Detail

82 Proben aus 13 europäischen Ländern wurden in einem externen Labor auf sogenannte „besonders besorgniserregende Substanzen“ (auch bekannt als SVHC = Substances of Very High Concern) untersucht. Darunter fallen Weichmacher, Flammschutzmittel, Schwermetalle und Alkylphenole. Getestet wurden Produkte wie Gymnastikbälle, Yogamatten, Hanteln, Springseile, Schwimmutensilien, Wasserflaschen und Gymnastikschuhe. „In einem Viertel der Produkte wurden besorgniserregende Substanzen gefunden, sieben hätten gar nicht verkauft werden dürfen“, erklärt Dr. Waltraud Novak, Chemikalien-Expertin bei GLOBAL 2000. „Es ist erschreckend, dass Sportartikel wie Hanteln, Gymnastikbälle oder Springseile mit gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet sein können“, so Novak.

400-fache Grenzwertüberschreitung

Sieben Produkte enthielten die in der EU verbotenen Weichmacher DEHP oder DIBP. Produkte, die diese Stoffe in Konzentrationen über 0,1 % enthalten, dürfen seit Juli 2020 nicht mehr in Verkehr gebracht werden. DIBP wurde jedoch in einer Konzentration von 41 % in einem Pilates-Ball und zu 35 % in einem Trainings-Ball gefunden. „Weichmacher können aus Artikeln ausdünsten, und der Mensch ist über Haut und Atmung diesen Stoffen ausgesetzt“, macht die Expertin deutlich. „Dass wir sie nun in Fitness-Artikeln gefunden haben, die die Gesundheit fördern sollen, ist umso erschreckender.“

Viele Weichmacher – sogenannte Phthalate – haben eine endokrine Wirkung. Das bedeutet, dass diese Substanzen die Hormone im Körper stören, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und ungeborene Kinder schädigen können, indem sie beispielsweise die sexuelle Reifung behindern. Einige Phthalate zeigen eine antiandrogene Wirkung wie etwa eine verringerte Testosteronproduktion und können die Hodenfunktion schädigen. Novak weiter: „Wie aber auch schon der GLOBAL 2000 Weihnachtsdeko-Test gezeigt hat, sind sich viele Unternehmen ihrer Pflichten zur Information über Schadstoffe in ihren Produkten nicht bewusst. Unser Test zeigt ein generelles Problem auf: Besorgniserregende Substanzen haben in Alltagsgegenständen nichts verloren.“

GLOBAL 2000 fordert den raschen Ersatz von giftigen Chemikalien durch sichere Alternativen. Firmen müssen ihre Lieferketten besser unter Kontrolle haben und der Gesetzgeber ist gefordert, Unternehmen in ihren Bemühungen um Ersatz durch die Förderung der Forschung zu unterstützen. Gleichzeitig sind aber eindeutig auch strengere und durchgängige Kontrollen nötig.

Alle Infos und der komplette Test zum Runterladen: global2000.at/publikationen/sportartikel-test