Langzeitstudie: Vor allem Gesundheit macht uns wirklich zufrieden

Das Buch „Was macht uns wirklich zufrieden“ von Soziologie-Professor Martin Schröder liefert äußerst interessante Details zum menschlichen Verhalten. Martin Schröder räumt darin mit Vorurteilen auf, bringt uns zum Schmunzeln und zeigt empirisch, wann wir wirklich zufrieden sind. Vieles ist nachvollziehbar, einleuchtend, amüsant und auch wirklich überraschend.

In einer großangelegten deutschen Studie wurden 80.000 Personen über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren zu ihrem Leben befragt. Die Auswertung des seit 1984 laufenden Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), für das derzeit jährlich etwa 30.000 Menschen in knapp 15.000 Haushalten befragt werden, fördert viele interessante Erkenntnisse zu unserem Verhältnis zu Arbeit, Liebe, Kindern, Geld – und was uns tatsächlich zufrieden macht, zutage. Soziologie-Professor Martin Schröder bringt die Studie in seinem Buch „Was macht uns wirklich zufrieden“ auf den Punkt.

Überraschende Punkte waren etwa, dass Kinder – weil sie Kosten verursachen – für die Zufriedenheit ihrer Eltern nicht außerordentlich bedeutsam sind. Oder: Wer zu früh heiratet, kann bis zu sieben Zufriedenheitspunkte verlieren. Eigentümlich wird es bei der Hausarbeit: Frauen sind zufriedener, wenn sie mehr Hausarbeit als ihr Partner machen!? Auch die Beziehung zu Eltern und Verwandten ist oft wenig zufriedenstellend: Immer wieder zeigt sich, dass Verwandte oft nicht zur eigenen Zufriedenheit beitragen, weil man sich nicht gut mit ihnen versteht. Es ist besser, gar keine Eltern zu haben als Eltern, mit denen es häufig Streit gab. Auch in punkto Freundschaft sind wir recht bescheiden: Fünf Freunde sind genug. Für Unzufriedenheit sorgt beispielsweise der Umstand, dass eine Frau mehr verdient als ihr Mann usw. Viele Themen des menschlichen Daseins werden in Schröders Buch genauest auseinandergenommen. Doch wir haben uns hier vor allem auf den gesundheitlichen Aspekt konzentriert und siehe da – Gesundheit ist das Wichtigste!

Gesundheit ist wichtiger als alles andere!

Wer sich schon immer für sehr ungesund hielt, ist gigantische 42 Punkte unzufriedener, als jemand, der sich schon immer für sehr gesund hielt. Der Zufriedenheitsunterschied zwischen einer Person, die ihre Gesundheit dauerhaft für sehr schlecht statt sehr gut hält, ist so hoch wie zwischen einer Person in den zufriedensten und unzufriedensten 10 Prozent aller Menschen. Auch ist dieselbe Person um gigantische 24 Punkte unzufriedener in Jahren, in denen sie ihre Gesundheit für sehr schlecht statt sehr gut hält. Körperliche Schmerzen haben nicht ganz so starke, aber immer noch extreme Einflüsse auf die eigene Zufriedenheit. Fast nichts beeinflusst die Zufriedenheit von Menschen so stark wie ihre Gesundheit.

Folgend ein paar Details zu Gesundheit und Zufriedenheit

  • Das Dilemma mit dem Gewicht
    Männer sind besonders unzufrieden, wenn sie dünn sind. Frauen, wenn sie dick sind. Allerdings sind auch beide unzufriedener, wenn sie abnehmen und zufriedener, wenn sie zunehmen. Dicksein macht also unzufrieden, Abnehmen jedoch auch.
  • Gesunde Ernährung ist wichtig
    Der ernährungsbewusste Teil der Bevölkerung ist viel zufriedener als der Rest. Durch gesunde Ernährung kann man also etwas zufriedener werden.
  • Sport macht zufrieden
    Sportliche Menschen sind viel zufriedenere Menschen, wobei die Häufigkeit keine Rolle spielt. Man wird nur wenig zufriedener, wenn man öfter Sport treibt.
  • Körpergröße ist unerwartet relevant
    Männer sind umso zufriedener, desto größer sie sind, Frauen nicht. Dass größere Menschen zufriedener sind, erklärt sich wesentlich daraus, dass sie erfolgreicher sind.
  • Körperliche Stärke/Schwäche
    Frauen sind um bis zu vier Punkte unzufriedener, wenn sie körperlich besonders schwach sind. Männer auch. Doch anders als Frauen sind sie auch einen Punkt zufriedener, wenn sie viel stärker als andere sind.
  • Alter macht unzufrieden, außer man ist gesund
    Mit 70 ist man etwa vier Punkte unzufriedener, als man mit 20 war. Die in den Medien oft präsentierte U-Kurve, wonach man bis zur Mitte des Lebens unzufriedener und dann wieder zufriedener wird, gibt es nicht. Schafft man es, im Alter gesund zu bleiben, sinkt die Zufriedenheit jedoch bis Anfang 70 nicht.
  • Man gewöhnt sich unheimlich schnell an eine Behinderung
    Im ersten Jahr einer Behinderung verliert man gigantische 14 Zufriedenheitspunkte. Doch ein Jahr später sind es nur noch 3 und zwei Jahre später geht es einem so gut wie vor der Behinderung. Man gewöhnt sich also extrem schnell an eine Behinderung. Frauen leiden auch, wenn ihr Partner behindert wird, Männer nicht.

Wann sind wir wirklich zufrieden? Überraschende Erkenntnisse zu Arbeit, Liebe, Kindern, Geld, Martin Schröder, 2019, C. Bertelsmann Verlag