Mit richtiger Selbstmotivation den inneren Schweinehund austricksen

Sich nur ein Ziel zu setzen ist leider oft nicht genug. Man muss auch wissen, warum man dieses Motiv eigentlich erreichen möchte. Denn das persönliche Motiv sowie auch die passenden Umsetzungsmöglichkeiten sind ausschlaggebend, ob eine persönliche Vision tatsächlich erreicht wird.

„Das innere Motiv zu erkennen, ist der erste Baustein,“ weiß Sportpsychologe, Mentalcoach und Trainer Mag. Thomas Kayer aus Graz. „Ich muss wissen, warum ich mich zum Beispiel gesünder ernähren, Sport betreiben oder beruflich weiterkommen will. Oft reicht das Bewusstsein um diese Motive schon aus.“

Die richtigen Anreize finden: Was motiviert mich? Was schreckt mich ab?

Eine gute Motivation ist beispielsweise, sich bewusst zu machen, welchen Nutzen man von seinem Ziel hat. Warum hat man sich ein neues Ziel gesetzt? Individuelle Motive können etwa sein: Wenn ich mich bewege, bekomme ich einen freien Kopf, kann besser abschalten, besser schlafen oder lerne auch neue Leute kennen! Denn der soziale Aspekt ist für manche ebenso ein entscheidender Antriebsgrund oder eine Abschreckung – weil sie lieber froh sind, eine Stunde Ruhe zu haben und sich alleine im Wald zu bewegen. Wichtig ist zu wissen, was einen selbst eher motiviert oder mehr abschreckt.

Das Wissen wie: Der Weg zum Ziel

Während einen Menschen der Gedanke an einen Gipfelsieg beflügelt, ist der andere davon total demotiviert, weil das Ziel unerreichbar erscheint und überfordert. Daher ist der zweite wichtige Punkt für die Selbstmotivation die Frage: Welches Ziel motiviert mich persönlich? „Menschen, bei denen der Gipfel das Ziel ist, können sich zur Motivation das Erfolgsgefühl vorstellen – wie es sich anfühlt, am Gipfel zu stehen, es geschafft zu haben und hinunterzublicken“, regt Thomas Kayer an. „Diejenigen, die das abschreckt, sind eher die Hier-und-Jetzt-Typen. Diese motivieren sich mehr über den Weg hinauf, über die Bewegung an sich, die Natur, die gute Luft, die Aussicht oder auch über das Beisammensein mit Freunden.“

Wie den inneren Schweinehund austricksen?

Damit der innere Schweinehund nicht die Oberhand gewinnt, wenn man z.B. statt der vorgenommenen Bewegung doch das Sofa vorzieht oder das Wetter schlecht ist, hat Thomas Kayer ein paar Tricks auf Lager: „Es geht darum: Dahinterzukommen, wie man die Kontrolle über den inneren Schweinehund gewinnen kann“, erklärt er dazu und gibt seinem eigenen Schweinehund sogar einen Namen. „Meiner heißt Herbert. Ihm einen Namen zu geben, ihn zu personifizieren, ist ein guter Trick, um im Gespräch mit ihm Gegenargumente bewusster zu formulieren“, verrät Thomas Kayer. „Wenn Herbert meint, das Wetter sei zu schlecht für Sport im Freien, kann ich ihm bewusster entgegenhalten, dass ich mich besser anziehen werde.“

Ein anderer Trick ist „zuerst handeln, dann denken“. Damit ist gemeint – um beim Beispiel Sport zu bleiben: zuerst das Fitnessgewand anziehen und dann erst die Frage stellen, ob man sich bewegen möchte. Abschließend rät er noch, immer im Vorfeld den Aufwand abzuwägen – ob zeitlich oder finanziell, denn solche Faktoren können zur Belastung und damit zur Hürde werden. Denn, wenn beispielsweise für die Familie oder den Partner durch das neue Vorhaben zu wenig Zeit übrig bleibt, gilt es, das im Vorfeld zu erkennen, anzusprechen und Ausgleichsmöglichkeiten zu suchen.

Egal, um welches Ziel es sich handelt: Das Gute an der Selbstmotivation ist – sämtliche Tricks sind auf alle Lebensbereiche anwendbar. Ob es darum geht, mit dem Rauchen aufzuhören, in einer herausfordernden beruflichen Situation ruhig zu bleiben oder seine Ernährung umzustellen usw. „Man kann das im Prinzip auf jedes Ziel, Vorhaben oder auf jede Vision umlegen“, so Thomas Kayer.

Kongress für Allgemeinmedizin 2019, Graz