Online-Vorträge zum Welt-Adipositastag am 4. März 2021

Adipositas (Fettleibigkeit) stellt ein großes Gesundheitsrisiko dar. Denn starkes Übergewicht (BMI über 35) begünstigt auch Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und andere Erkankungen. Fettleibigkeit ist obendrein auch sehr oft mit Depressionen verbunden. ExpertInnen der MedUni Wien und des AKH Wien bieten nun zum Adipositas-Tag am 4. März zahlreiche Vorträge rund um das Thema an. Denn Adipositas kann behandelt werden.

Als adipös werden Menschen bezeichnet, die einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30 kg/m² aufweisen. Bereits 2,1 Milliarden Menschen weltweit sind übergewichtig, 671 Millionen davon haben Adipositas. So ein Übergewicht ist ein enormes Gesundheitsrisiko und belastet zudem die Seele. Denn Betroffene haben ein erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes zu erkranken – und gleichzeitig wird die Erkrankung vielfach immer noch stigmatisiert.

Körperliche und seelische Gesundheit

„Adipositas bedeutet aber auch eine der letzten Formen der Diskriminierung, die in unserer Gesellschaft noch sozial ‚akzeptiert‘ ist“, betont Bianca Itariu, Adipositas-Expertin an der Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien/AKH Wien. „Dadurch werden Therapiemöglichkeiten oft nicht rechtzeitig angesprochen und der Zugang zur Therapie wird erschwert. Erstens, indem die medikamentöse Therapie, die zwar zugelassen ist, von den Krankenkassen nicht erstattet wird – und zweitens, indem der Zugang zur bariatrischen OP durch chefärztliche Bewilligung und einer hohen Anzahl an Gutachten auch erschwert wird.“

Die bariatrische Operationsmethode dient der nachhaltigen Gewichtsreduktion und ist in vielen Fällen, das betont auch der Leiter der Spezialambulanz Speiseröhre – Magen – Adipositas von MedUni Wien und AKH Wien, Gerhard Prager, die beste Wahl, um den Betroffenen zu helfen. Die Operation zeigt auch nachhaltig positive Folgen: „Unsere Studien zeigen, dass die Langzeiteffekte den Magenbypass zur effektivsten Behandlung der höhergradigen Adipositas machen. Auch zehn Jahre nach dem Eingriff sind die meisten Patientinnen und Patienten deutlich leichter als vor dem Eingriff.“ Österreichweit werden jährlich aber weniger als fünf Prozent aller Menschen mit Adipositas mit einer bariatrischen OP behandelt – für eine medikamentöse Therapie werden zudem keine Kosten zurückerstattet, kritisieren die Adipositas-ExpertInnen.

„Die COVID-19-Pandemie hat zudem gezeigt, dass Menschen mit Adipositas ein höheres Risiko haben, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln. Laut WHO sind bisher zirka rund 2 Millionen Menschen an COVID-19 verstorben. Laut WHO sterben aber jedes Jahr auch 2,8 Mio. Menschen an den Folgen von Adipositas“, betonen Prager und Itariu.

Recht auf Behandlung

Die Erkenntnisse aus der COVID-19-Pandemie haben dazu geführt, dass beispielweise in Großbritannien Programme ins Leben gerufen wurden, um Adipositas besser in den Griff zu bekommen. Weil Stigmatisierung bei dieser Erkrankung eine überproportionierte Rolle spielt, wurden in Ländern wie Italien, Deutschland, Portugal und Holland Gesetze verabschiedet, die Adipositas als Erkrankung anerkennen und den betroffenen Menschen das Recht auf Behandlung garantieren. Das wäre auch für Österreich wünschenswert, betonen die ExpertInnen anlässlich des Welt-Adipositastages am 4. März 2021: „Als die damit befassten Universitätskliniken sehen wir uns verpflichtet, auf diese Tatsachen hinzuweisen und wollen eine Plattform erstellen, die interessierten Menschen dabei helfen soll, einen besseren medizinischen Überblick zum Thema Adipositas und deren Behandlung zu geben.“

Welt-Adipositastag am 4. März – Online-Event an MedUni Wien/AKH Wien

ExpertInnen der MedUni Wien und des AKH Wien machen anlässlich des Welt-Adipositastags am kommenden Donnerstag (4. März) mit einem Online-Event darauf aufmerksam und schlagen Lösungen vor. Die Vorträge sind alle am 4. März ab 16:00 Uhr auf der Webseite der MedUni Wien kostenlos anzusehen. Es können vorab oder während der Live-Vorträge Fragen per E-Mail gestellt werden. Diese werden anonym behandelt und beim Webinar beantwortet.

Themen und ReferentInnen

  • Neue Medikamente zur Gewichtsreduktion, Florian Kiefer, Leiter der Ambulanz für hormonelle Erkrankungen der Klinischen Abteilung für Endokrionologie und Stoffwechsel (Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien/AKH Wien).
  • Übergewicht und Sexualität, Michaela Bayerle-Eder, Internistin und Sexualmedizinerin an der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel (Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien/AKH Wien).
  • COVID: Adipositas ist keine freie Entscheidung!, Bianca Itariu, Leiterin der Adipositasambulanz der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel (Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien/AKH Wien).
  • Chirurgische Behandlung der Adipositas, Felix Langer, Experte für Adipositaschirurgie und stv. Leiter der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie (MedUni Wien/AKH Wien).
  • Fast Track: Die Operation aus Sicht des/der Patienten, ein Video von Dr. Christoph Bichler zeigt, wie eine die operative Behandlung des Übergewichts (Bariatrie) für Patienten abläuft.
  • Langzeitergebnisse: PatientInnen im Gespräch, Gerhard Prager, Leiter der Adipositasambulanz (Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie, MedUni Wien/AKH Wien).
  • Gibt es eine Wunderdiät? Julia Wagner, Diätologin im AKH Wien im Bereich Adipositaschirurgie
  • Hautprobleme bei Adipositas, Karin Jäger, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Co-Leiterin der Allgemeinen Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie (MedUni Wien/AKH).

Infos, Anmeldung und Online-Vorträge: MedUni Wien

BMI-Rechner für Erwachsene

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