4LIFECHANGERS: Corona und die Schutzimpfung

Folge 8: Die Corona-geplagte Menschheit verspricht sich von der COVID-19-Impfung wieder einen Weg zurück zur Normalität. Doch viele Gerüchte, Ängste und Unsicherheiten ranken sich um die verschiedenen Schutzimpfungen. Die 4Lifechangers-Redaktion hat dazu nun Lukas Weseslindtner, Virologe an der MedUni Wien, befragt. Des Weiteren schildert ein selbst betroffenes Ärzteehepaar seine Corona-Erfahrungen und warum sich die Imfpung lohnt.

Faktencheck

Wie ist es so schnell zu einem Impfstoff gekommen?

Lukas Weseslindtner: “Das erste ist, dass das Konzept dieser Impfung, also dieser Messenger RNA-Impfung, jetzt nicht komplett neu war. Also man hat mit dieser Art Impfung schon vorher Experimente gemacht und hat jetzt sozusagen das, was man schon wusste, irgendwie auf dieses neue Virus adaptiert.”
Außerdem hat diese weltweite Pandemie zu einer nie dagewesenen Kooperation geführt. Länder und Pharmafirmen haben ihr Wissen gebündelt, sodass eine rasche Zulassung möglich gewesen ist.

Was ist ein mRNA-Impfstoff?

Lukas Weseslindtner: “Wir geben dem Immunsystem den Bauplan. Und das ist diese Messenger RNA. Es ist ein reiner Bauplan für ein Protein, das die Zelle abschreibt. Diese Art aber, den Körper das Protein selber produzieren zu lassen, ist sehr sehr effizient und macht seine sehr gute Immunantwort.”
Eine lebenslange Schutzwirkung bietet der Impfstoff übrigens nicht. Eine jährliche Auffrischung, wie es auch bei der Grippeimpfung der Fall ist, wird eher nötig sein.

Müssen wir uns vor Nebenwirkungen fürchten?

Gerüchte rund um Unfruchtbarkeit sind und bleiben Gerüchte. Nach der Impfung können kurzfristige Reaktionen des Immunsystems wie zum Beispiel Fieber auftreten.

Warum sollten wir uns impfen lassen?

Lukas Weseslindtner: “Eigentlich ist die Impfung unsere einzige Chance, in absehbarer Zukunft wieder zu einer Normalität zurückzufinden, wie wir sie kennen. Und wir haben jetzt einfach eine Impfung, die wirksam ist, hochwirksam ist und wirksam genug, das Ziel zu erfüllen, dass nämlich das Gesundheitssystem nicht mehr überlastet ist.”

Corona persönlich erlebt: Ein betroffenes Ärzteehepaar setzt sich für die Impfung ein

Beruflich hat das Ärzteehepaar Nika Mayerhofer-Gallenbacher und Klaus Gallenbacher tagtäglich mit dem Corona-Virus zu tun. Im Oktober 2020 erkrankten sie beide selbst schwer an Corona. “Ich war eigentlich drei Wochen außer Gefecht gesetzt mit hohem Fieber, Hustenreiz und Lungenschmerzen,” beschreibt die Allgemeinmedizinerin. Auch ihrem Mann hat Corona ziemlich schwer zugesetzt. “ Ich habe hohes Fieber gehabt und zunehmend Atemnot, und das ist schon unheimlich,“ schildert der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Die Eltern zweier Töchter sind überzeugt, dass sie ihr Fachwissen und der Zugang zu ausreichend Medikamenten vor einem Krankenhausaufenthalt bewahrt hat. Zudem spielte die Hintergrunderfahrung mit Corona-Patienten eine große Rolle. Klaus Gallenbacher: “Wir wissen von einem Fall, von einer jungen Frau, die im Sommer ganz leicht Corona hatte. So 27 Jahre jung mit Schnupfensymptomen. Und sie ist dann drei Monate später ins Spital gekommen, weil der Unterarm auf einmal schwarz geworden ist. Und das war eine Thrombose, ein arterieller Verschluss durch Corona bedingt – und der Arm ist amputiert worden.”

Inzwischen ist das Ehepaar Gallenbacher geimpft. In ihrer Erkrankung sehen sie auch etwas Positives: Nika Mayerhofer-Gallenbacher: “Die persönliche Schilderung hilft auch, Leuten die Angst zu nehmen vor einer Impfung und auch zu erklären, was die Krankheit machen kann. Ich freue mich für jeden, der einen leichteren Verlauf hat. Aber dass es uns so erwischt hat, hilft uns vielleicht nachträglich, ein bisschen die Leute zu überzeugen, dass eine Impfung Sinn macht.“ Mehr Normalität – das erhoffen sich die beiden von der Impfung. Bis dahin nehmen sie anderen die Sorge davor.

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