5 Fragen – 5 Antworten: Atopische Dermatitis

Im Interview: Univ.-Prof. Dr. Matthias Schmuth, Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Innsbruck

Was ist eine atopische Dermatitis?

Eine atopische Dermatitis ist eine chronische Entzündung der Haut, die mit Rötungen einhergeht. Diese Rötungen können Juckreiz verursachen – und dieser geht manchmal sogar in Schmerzen über, was oft auch zu Schlafstörungen führt. Außerdem können andere allergische Erkrankungen wie z.B. Heuschnupfen oder Asthma mit der atopischen Dermatitis einhergehen. Die Rötungen an der Haut finden sich in bestimmten Körperstellen besonders häufig. Zum Beispiel in den Ellbeugen, in den Kniekehlen, am Hals und gar nicht so selten im Gesicht. Bei Kindern ist die atopische Dermatitis besonders häufig, aber auch bei Erwachsenen kommt sie relativ oft vor.

Welche Ursache hat die atopische Dermatitis?

Die atopische Dermatitis ist nicht eine einzelne Krankheit, sondern es gibt verschiedene Ausprägungsformen und Ursachen, die bisher in einen Topf geworfen wurden. Die Forschung ist jetzt gerade dabei, diese Ausprägungsformen und Ursachen auseinanderzudividieren. Man weiß ganz sicher, dass es immer mit Änderungen im Immunsystem der Haut gibt. Es gibt auch immer Änderungen in der Schutzfunktion der Haut, in der sogenannten Hautbarrierefunktion. Letzeres führt dann gerne dazu, dass Bakterien, Pilze und Viren, die gesunderweise auf der Haut leben, durch diese beeinträchtige Barrierefunktion in ihrer Balance gestört werden, teilweise überhand nehmen und auch in die Haut eindringen können – dann kommt es zu sogenannten Superinfektionen. Durch die Entzündung, die dadurch entsteht, kommt es dann zum Juckreiz. Es gibt nicht eine einzelne Ursache, sondern es gibt mehrere, die da verzahnt sind und so dann dieses Krankheitsbild auslösen. Man weiß schon, dass es eine genetische Veranlagung gibt – die ist besonders gut gezeigt worden für diese gestörte Barrierefunktion der Haut.

Ist eine atopische Dermatitis ansteckend?

Nein, aber sie findet sich aufgrund der Veranlagung gehäuft in Familien wieder, aber nicht aufgrund einer Ansteckung.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Um die Diagnose zu stellen sollte man immer überlegen, ob wirklich eine atopische Dermatitis vorliegt oder ob es sich nicht doch um etwas anderes handelt, wie z.B. die Schuppenflechte, die Krätzmilbe, Kontaktallergien. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, die unterschieden werden müssen. Die Diagnose ist auch gar nicht so einfach. Es gibt keinen Labortest dafür. Der Arzt muss anhand der Krankheitsausprägung beurteilen, ob eine atopische Dermatitis vorliegt und das geht vor allem nicht durch eine Momentaufnahme. Die Diagnose wird daher nicht durch eine einzelne Untersuchung gestellt, sondern es kommt sehr auf den Verlauf darauf an. Die Definition der atopischen Dermatitis ist nämlich, dass sie chronisch mit Rückfällen verläuft. Das heißt, erst wenn man das einige Zeit, einige Monate oder sogar Jahre beurteilt hat, kann man die Diagnose sicher stellen.

Wie wird die atopische Dermatitis behandelt?

Für die Behandlung gibt es einen Stufenplan. Die erste Behandlung ist die Salbenbehandlung. Früher hat es immer nur die eine Möglichkeit der Kortisonsalbe gegeben. Mittlerweile gibt es ein sehr großes Repertoire an Salben, jedoch sind die Kortisonsalben auch noch im Reportoire enthalten. Sie sind sehr wirksam und inzwischen so modern, dass sie sehr sicher angewandt werden können und eigentlich keine Nebenwirkungen zu befürchten sind. Es gibt aber laufend mehr Möglichkeiten. In den letzten Monaten ist wieder eine neue Salbe von der österreichischen Arzneimittelbehörde zugelassen worden, die die Entzündung der atopischen Dermatitis sehr gut lindern kann.

Die nächste Stufe ist, wenn die Salbenbehandlung alleine nicht genügt, kommt eine Lichttherapie mit UV-Licht dazu. Diese sollte man kontrolliert beim Arzt machen, damit es nicht zu Nebenwirkungen kommt. Das kann auch sehr hilfreich sein. Bei schweren Ausprägungsformen gibt es die Möglichkeit, mit Tabletten und Spritzen zu behandeln. Da gibt es derzeit ein halbes Dutzend von Medikamenten, die hier hilfreich sein können. Und auch in diesem Bereich macht die Forschung gerade ungeahnte Fortschritte. Es gibt heutzutage ständig mehr neue Medikamente, die auch Patienten mit einer schweren atopischen Dermatitis oftmals sehr gut helfen.

Welche Faktoren beeinflussen den Krankheitsverlauf?

Sowohl psychischer als auch physischer Stress können die atopische Dermatitis verschlechtern. Wenn es zum Beispiel zu einem psychischen Stress kommt, so kann dieser auslösend sein, aber oder die Entzündung verschlechtern und es kommt so zu einem Teufelskreis. Bei den physischen Faktoren ist es so, dass die Hautnerven so leicht irritierbar sind. Es können bestimmte Stoffe aus Wolle, Synthetik, aber auch Seife irritierend wirken und mechanische Reize wie Schrubben, zu heißes oder zu langes Duschen können sich ungünstig auswirken.

Es gibt also sehr viele Irritationsfaktoren. Dazu gehört auch Umweltverschmutzung. Es hat sich gezeigt, dass die Rußpartikel in der Luft, die in umweltverschmutzten Regionen vorhanden sind, aber auch andere altine Toxine, die sich in der Luft befinden, ungünstig sind für die atopische Dermatitis. Auch Kindern von Müttern, die während der Schwangerschaft rauchen, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine atopische Dermatitis zu entwickeln. Auch die Temperatur spielt eine Rolle. Da ist es ganz interessant, sowohl kalte als auch warme Temperatur und vor allem der Wechsel, wenn innerhalb eines Tages die Temperatur sehr stark schwankt, dann kann das einen Schub von einer atopischen Dermatitis auslösen. Zudem kann auch Schweiß irritierend sein und die Dermatitis verschlechtern. Es gibt kaum eine Krankheit, die so anfällig ist für äußere Störanfälle und Einflüsse wie die atopische Dermatitis.

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