#visible macht Kinder psychisch kranker Eltern sichtbar

Vertreterinnen der Zielgruppe - Projekt #visible ©Lisa Kainzbauer
Vertreterinnen der Zielgruppe - Projekt #visible ©Lisa Kainzbauer

275.000 Kinder und Jugendliche wachsen in Österreich mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf. Trotz dieser hohen Zahl wird über das Thema kaum gesprochen. Die österreichweite Sensibilisierungskampagne #visible möchte das ändern: Indem auf die vielen Betroffenen aufmerksam gemacht und ihnen Unterstützung angeboten wird.

Mit dem Projekt #visible werden Kinder und Jugendliche, die mit einem psychisch erkrankten Elternteil leben, vor den Vorhang geholt. Durch das Brechen von Tabus und mithilfe spezifischer Unterstützungsangebote sollen u.a. die Folgen drohender oder bestehender Armut und Ausgrenzung abgeschwächt werden. Im Rahmen der Covid-19-Armutsbekämpfung verfolgt das österreichweite, von pro mente OÖ, HPE Österreich, JoJo Salzburg und Netzwerkpartner:innen getragene und durchgeführte und vom Bundesministerium für Soziales geförderte Projekt das Ziel, die prekäre Situation von Kindern psychisch erkrankter Eltern auf unterschiedlichen Ebenen zu verbessern.

Jedes sechste Kind wächst mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf

Kinder und Jugendliche, deren psychisch erkrankte Eltern in ärztlicher Behandlung befinden, werden häufig übersehen. Zudem erhalten sie sehr selten Beistand außerhalb ihrer Familie. Sie können mit zahlreichen Belastungen konfrontiert sein, die ihre Entwicklungschancen beeinträchtigen. So erleben Kinder und Jugendliche mit psychisch kranken Eltern u.a. Desorientierung, Schuldgefühle und Isolierung. Auch für ihre Betreuung kann manchmal nicht ausreichend gesorgt sein. In vielen Fällen müssen sie gewissermaßen in die Elternrolle schlüpfen und die Aufgaben und Konflikte ihrer Eltern sowie Verantwortung für Geschwister übernehmen oder den Haushalt führen. Oft überfordern diese Belastungen oder auch traumatischen Erlebnisse und tragen so – gepaart mit einer u.U. größeren genetisch bedingten Verletzbarkeit – dazu bei, dass betroffene Kinder ein rund doppelt so hohes Risiko haben, im Laufe ihres Lebens selbst psychisch zu erkranken.

Österreichweite Sensibilisierungskampagne

Mit einer österreichweiten Sensibilisierungskampagne macht das Projekt #visible die spezifischen Lebensrealitäten betroffener Kinder und Jugendlicher sichtbar und versucht, einer Stigmatisierung entgegenzuwirken.

Über die Webplattform visible.co.at können sich Jugendliche umfassend informieren und niederschwellige Onlineberatung in Anspruch nehmen. Zudem werden regionale Beratungsstellen ausgebaut und in bislang unterversorgten Gebieten neue Unterstützungsformate für psychisch belastete Familien geschaffen. Darüber hinaus ermöglichen Freizeitaktivitäten und Ferienaktionen den Kindern und Jugendlichen eine ressourcenstärkende Auszeit vom Alltag und fördern den sozialen Austausch unter Gleichbetroffenen.

Von der Zielgruppe für die Zielgruppe

Im Rahmen des Projekts werden Personen mit gelebter Erfahrung eingebunden. So wird #visible von einer Gruppe junger Erwachsener begleitet, die selbst mit psychisch erkrankten Eltern aufgewachsen sind und darüber berichten. Diese Gruppe bringt sich auf ein, indem sie berät, Texte verfasst und die Sensibilierungskampagne unterstützt. Auf diese Weise wird ein Projekt von der Zielgruppe für die Zielgruppe geschaffen. Damit es schließlich gelingt, der Stigmatisierung des Themas entgegenzutreten, präsentiert sich ein Teil der Gruppe als Identifikationsfiguren für andere Betroffene.

Info

visible.co.at 

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